Ernährungslehre / Beratung

Philosophie:

Eine wichtige Regel im Ayurveda: Ernährung sollte immer auf den einzelnen Menschen und seine Bedürfnisse abgestimmt sein. Es gibt dabei kein Dogma. Was wirklich zählt, ist die Energetik der Nahrungsmittel und ihr Einfluss auf die Bioenergien. Nichts ist offensichtlicher als die Verschiedenheit durch die energetisch-biochemische Individualität eines jeden einzelnen.
 
Das Essen des einen kann das Gift des anderen sein.
 
Richtige Ernährung verschafft uns gesundes Haut- Gewebe und Farbe, geistige Klarheit, eine gute Stimme, Körperkraft, Genialität und Verstand – insgesamt also ein langes, glückliches und zufriedenes Leben.
Für die Gesundheit ist eine gute Verdauung elementar. So wie sich die Menschen physisch und auch charakterlich voneinander unterscheiden, so hat jeder einzelne von uns seine ganz individuelle Verdauungskraft (Agni). Je besser wir unsere Verdauung verstehen und entsprechend unserer Verdauungskapazität essen, umso besser kann unser Körper die Nahrung aufnehmen und verwerten. Das Gegenteil einer guten Verdauung – keine oder unvollständige Verdauung – führt zu einer vermehrten Bildung von Giftstoffen (AMA), was unweigerlich auch eine vermehrte Schlackenansammlung zur Folge hat. Das heisst: Kanäle verstopfen, Gewebe entzündet sich und Doshas geraten ins Ungleichgewicht.
 
Wir sind was wir verdauen.
 
 

Bedeutung des Verdauungsfeuers im Ayurveda:

Das Verdauungsfeuer AGNI nimmt im Ayurveda eine ganz besondere Stellung ein.
Deshalb wird die ayurvedische Ernährung auf die Verdauungskraft abgestimmt, aber auch auf den Ausgleich der Doshas. Agni ist nicht nur das Verdauungsfeuer mit Hauptsitz im Oberbauch, sondern ist als "Lebensfeuer" auch in jeder Zelle vorhanden. Dies gilt für alle Arten von Verdauung: körperlich, emotional und mental.

Es hat also eine zentrale Bedeutung für alle Stoffwechsel- und Lebensprozesse, was oft erst dann auffällt, wenn es aus dem Gleichgewicht gebracht wurde.
AGNI muß für eine stabile Gesundheit und Gewebeaufbau normal funktionieren; es darf weder zu hoch (erhöhtes Pitta), noch zu niedrig (erhöhtes Kapha) oder unregelmäßig (erhöhtem Vata) sein.
 
Symptome eines zu schwachen Agnis:
Blähungen, Aufstossen, langsame Verdauung, geistige Ermüdung, schweres Erwachen, wenig oder keine Schweißabsonderung, Verstopfung, stumpfer Teint.
 
Symptome eines zu starken Agnis:
heftiges Aufstoßen, starkes Schwitzen, Hautausschläge, Durchfall, Übererreg-barkeit, übermäßiges Reden, Heißhunger und brennende Gefühle im Verdauungs-trakt Reizbarkeit und Zorn (= führen zum typischen Reizdarm).
Die wichtigste Aufgabe von AGNI ist unsere Nahrung körperlich, emotional wie auch geistig zu verdauen, Energie freizusetzen und die einzelnen Gewebearten (Dhatus) optimal mit Nährstoffen zu versorgen; so entsteht Gesundheit und Lebensenergie, im Ayurveda "OJAS" genannt.

Wenn AGNI (Verdauungsfeuer) schwach oder unregelmäßig ist, wird die Nahrung nicht richtig verdaut, infolgedessen entstehen Toxine verschiedenster Art, die hauptsächlich von unverdauten Nahrungsbestandteilen herrühren und durch die Ansammlung im Körper Krankheit hervorrufen. Diese Schlackenstoffe werden im Ayurveda AMA genannt. Wird AMA produziert, so verstopft es die inneren Kanäle, ähnlich wie wenn Rohre verstopfen in denen sich Kalk ablagert.
AMA kann aber auch durch übermäßige Säurebildung entstehen (zu starkes Agni).
Diese Verstopfungen oder Ablagerungen (im Gewebe, Darm, den Gelenken usw.) blockieren das richtige Funktionieren des Organismus.
Dieses Prinzip gilt sowohl für die Körper- als auch für die emotional/geistige Ebene.
AMA bildet die Basis von Krankheiten. Deshalb ist eine individuell abgestimmte Ernährung, die das Verdauungsfeuer unterstützt, so wichtig für die Gesundheit.
 
 

Allgemeine Fragen und Tipps zur ayurvedischen Ernährung:

Woraus sollte meine Ernährung bestehen?
Sie sollten, unabhängig von der individuellen Konstitution, vor allem pflanzliche, frische Nahrungsmittel zu sich nehmen. Zurückhaltung geboten ist dagegen bei allen tierischen Produkten, wie Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte etc.; denaturierte Nahrungsmittel die durch die Lebensmittelindustrie mit Konservierungs- Farb- und Aromastoffen verfälscht sind, Tiefgekühltes und frittierte Speisen.
 
Ausserdem – nicht alle Lebensmittel passen zusammen!
  • in derselben Mahlzeit keine Nahrung mit unterschiedlichen energetischen Wirkungen mischen. Also kühlende Milch (Rahm) nicht mit erhitztem Fisch oder Fleisch kombinieren
  • Gekochte und rohe Nahrung nicht zur gleichen Zeit essen, denn rohe Nahrung ist schwerer verdaulich
  • Früchte sollten nicht mit anderen Lebensmittel zusammen gegessen werden
  • Milch und Joghurt nicht mit sauren Früchten (Zitrusfrüchte) vermengen
  • Sauermilchprodukte, Rohkost und tierisches Eiweiss sind schwer verdaulich, daher sollte man sie abends nicht mehr essen
Wer eher über eine zu schwache Verdauungskraft (Agni) verfügt, sollte versuchen die oben erwähnten Regeln zu berücksichtigen!
 
Welches Getränk ist zu den Mahlzeiten ideal?
Am besten trinkt man zum essen Wasser (nicht kalt), Kräutertee oder Saft (nicht direkt aus dem Kühlschrank), denn sie unterstützen unsere natürliche Verdauungskraft ohne sie zu schwächen. Somit geben wir unserem Organismus die Chance, dass das Essen optimal aufgenommen und umgewandelt wird.
 
Welche Rolle spielen die Jahreszeiten?
Im Winter setzt der Körper mehr Energie zur Wärmeerhaltung frei. Folglich haben Sie dann auch mehr Appetit. Im Sommer wird die Verdauung verlangsamt, das Essen sollte leicht, feucht und kühl sein.
 
Welche Bedeutung hat der Geschmack?
Geschmack steht nicht nur für Genuss. Er trägt auch wesentlich dazu bei, dass sich die Bioenergien im Gleichgewicht befinden. Geschmack beeinflusst die Verdauung und auch den Körper insgesamt indem er ihn schwerer oder leichter macht.
 
10 Regeln für eine gesunde Verdauung:
  1. gründlich kauen (10-30x/Bissen)
  2. Vollwertkost (Obst, Gemüse u. Vollwertprodukte)
  3. wenig Fett und Fleisch
  4. ballastreiche Nahrung
  5. Verzicht auf Genussmittel und Reizkost
  6. zwischen den Mahlzeiten viel Wasser trinken
  7. angemessene körperliche Bewegung
  8. essen in ruhiger und friedvoller Ambiente
  9. positive Gedanken und Gefühle
  10. Verdauungsstörungen durch Verhaltensänderung, gesunde Ernährung und sanfte Heilmittel kurieren
     

Ernährungsberatung:

Im Ayurveda sind Berater/in oder Therapeut/in vor allem darauf bedacht, dass der Klient/in mit dem Wissen seiner persönlichen Konstitution und der darauf basierenden Beratung sich selbst, respektiv die Qualität seines Verdauungsfeuers (Agni) besser verstehen lernt. Empfehlungen sind am Anfang sowie begleitend zu einer Umstellung sehr hilfreich. Erfolg kann sich aber auch hier - nur durch die richtige Einstellung, zunehmende Selbstverantwortung und persönliches Bemühen einstellen. Unser Körper dankt es uns, indem wir zunehmend in der Lage sind zu spüren, welche Nahrung für uns angenehm, leichtverdaulich, nahrhaft und gesundheitsfördernd ist.

Nach ayurvedischen Gesichtspunkten wird in einem ausführlichen Gespräch die Konstitution (Dosha-Typ) bestimmt. Nebst Gespräch und Konstitutionsanalyse ist auch der Zustand von Puls, Zunge, Haut und Nägel von elementarer Bedeutung. Also eine grosse Hilfe bei der Doshabestimmung sowie für das Erkennen einer allenfalls vorhandenen Dosha-Störung (Disharmonie auf bio-energitischer Ebene).
Sehr von Bedeutung ist die Lebens- und Ernährungsweise um auch dort einen ausgleichenden Ansatz zu finden für das vorhandene Dosha Ungleichgewicht.

Wenn Sie nach Ayurveda eine länger andauernde konstitutionsgerechte Ernährung ausprobieren, werden Sie selbst durch zunehmendes Wohlbefinden erfahren wie Essgewohnheiten, Kräuter und Gewürze unseren Stoffwechsel zum Positiven beeinflussen können. Hingegen ein gestörtes Essverhalten beeinflusst den Stoffwechsel negativ.